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Das „Glück“ unserer Wegwerfgesellschaft

Das HdS hat einen neuen Verantwortlichen für den Müll.

Es ist Karl Pizzinini. Bei der ersten Fahrt zum Recyling-Hof in die Brixner Indurstriezone, kam Karl von der Betroffenheit und vom Staunen nicht mehr heraus: „Was sind wir doch für eine verückte Gesellschaft!“ Diese Erkenntnis liest ihn tagelang nicht mehr los. Da stehen Leute Schlange um Dinge zu entsorgen, die zum Teil noch lange ihren Dienst verrichten könnten. Unmengen, zum Teil wirklich Brauchbares werden einfach weggeschmissen.

Ich denke, alle die schon einmal an einer Sperrmüllsammlung beteiligt waren, haben diesen hecktische Treiben gemerkt – und vielfacht die glücklich-befreiten Gesichter beim Wegfahren beobachtet.
Und wir – wir im HdS. Im letzten halben Jahr ist keine Woche vergangen, in der wir nicht Richtung Industriezone gefahren sind. Es stimmt, vielfach waren es schon getrennt gesammelte Wertsoffe, die in den Kreislauf der Wiederverwendung gelangt sind. Aber in den letzten Wochen – mit dem Auszugstermin im Nacken – mussten auch wir uns von Sachen trennen, die man eigentlich nicht wegwerfen dürfte. Nur – was sollten wir tun? Nachdem wir zahlreichen Hilfsorganisationen kontaktiert hatten – konnten wir manches auch weitergeben. Aufgrund der Tatsache, dass wir in der neuen Bleibe insgesamt weniger Platz und kaum Stauraum haben, und trotzdem des Flohmarktes, bei dem wir die Sachen nur mit einer freiwilligen Spende belegten um möglichst viel wegzubekommen, mussten wir uns eingestehen: Wir sind Teil der Wegwerfgesellschaft geworden. Mag sein, dass wir so gut wie nichts von dem gekauft haben. Und trotzdem: Viel lieber hätten wir es an anziehende Hausbewohner gegeben. Aber wer das HdS verlässt übersiedelt in den wenigsten Fällen in eine geräumige Unterkunft.

Was ist die Lehre aus der Geschichte? Wenn wir alles anhäufen, was andere wegwerfen, werden wir scheller zugemüllt, als uns lieb ist. Weiterschenken, was wir nicht mehr wollen oder schätzen, geschieht auf Privater – wie auf Weltebene. Die Folgen sind bekannt. Es bleibt vielleicht nur noch die Erfahrung, dass weniger manchmal mehr sein kann, dass geschickte Hände Altes „Wienüi“ machen können und dass das Wachtumsprinzip als Triebfeder für die Wirtschaft von einem System abgelöst wird, das Rohstoffe schont und kreative Arbeitsplätze im Bereich der Umgestaltung und Wiederverwertung entstehen lässt.

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